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Wie sieht eigentlich eine  lebendige & zukunftsfähige 
Landwirtschaft aus?

Genau das haben wir uns im Frühjahr 2020 gefragt – und kaum Antworten gefunden. Doch eins wurde schnell klar: Die Zeit drängt und wir brauchen Antworten, damit wir unsere Landwirtschaft und den damit zusammenhängenden Naturschutz und die überlebenswichtige Ernährungssouveränität erhalten bzw. weiterentwickeln können. Wir wollten Teil der Lösung werden. Unsere Vision: Ein Hof, der mit Hilfe von Verbraucher:innen wirtschaftlich, menschlich und ökologisch funktioniert. Eine Gemüsegärtnerei, die zum Begegnungsort wird. Menschen, die Verantwortung übernehmen und sich um das Wohl der Böden, Tiere, Pflanzen und Mitmenschen kümmern. Eine Landwirtschaft, die uns allen guttut und mit der wir unsere wachsenden Klima-Herausforderungen bewältigen können.
 

Zum Erreichen dieser Vision haben sich seit 2021 fünf Praxisfelder ergeben, in denen wir in vielfältigen Konstellationen, Kooperationen und Kollaborationen lernen, testen, ausprobieren, entwickeln und umsetzen, um Antworten auf unsere Frage nach einer lebendigen Landwirtschaft zu finden.

"Gemeinsam probieren wir aus, wie ein zukunftsfähiger Bauernhof im Oberbergischen Land funktionieren kann: solidarisch, regenerativ, und vor allem: Nachhaltig."

Praxisfeld #1: ganzheitliches Weidemanagment

Warum sind Wiederkäuer für uns so wichtig? Welchen Beitrag leisten sie für unser Klima? Und welche Rolle spielt das sog. ganzheitliche Weidemanagement?
 

Ausgangspunkt ist die Nahrungsquelle unserer Wiederkäuer: Ein artenreiches Grünland, das gleichzeitig ein schützenswertes Biotop für viele Arten darstellt. Denn: Auch Weide-Pflanzen speichern CO2, vor Allem in der Wachstumsphase! Ein Verbiss durch die Weidetiere regt die Wurzelbildung und das Wachstum der Pflanzen an, was diese wiederum zum Einlagern von mehr CO2 anregt. Kurz gesagt: Wurzelwachstum bringt CO2 wieder zurück in den Boden – und das ganz auch noch ohne zusätzlichen Energieverbrauch, denn die Arbeit erledigen dabei die Tiere. Und ganz “nebenbei”treiben sie dabei auch noch die wertvolle Humusbildung voran. Die Kuh als Klima-Killer stimmt also nur bedingt. Es kommt ganz auf das Wie an: Ganzheitliches Weidemanagement setzt genau hier an.
 

Wir achten darauf, welche Pflanzen wann gefressen werden sollen und welche Flächen eine Pause von der Beweidung brauchen, um wieder nachzuwachsen. Nach diesen Kriterien wird ein Rotationsschema festgelegt, bei dem unsere Herde regelmäßig die Fläche wechselt. Bei artgerechter Haltung und ganzheitlicher Beweidung, wie wir sie praktizieren, wird die Kuh also eher zum “Klimaretter”, als zum berüchtigten “Klimakiller”. Eine wichtige Rolle spielt bei der Klimabilanz auch das richtige Futter: Eine Kuh stößt weitaus mehr Methan aus, wenn sie nicht artgerecht gefüttert wird, zum Beispiel mit Getreide, Soja, oder Mais. Dies verbraucht zudem immense Ressourcen und macht Wiederkäuer zum Nahrungsmittel-Konkurrenten des Menschen. Bei uns gibt es also: frisches Weidegras und Heu!

 

So praktizieren wir auf Gut Kremershof eine Rinderhaltung, die Biodiversität fördert, Bodenfruchtbarkeit aufbaut und alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse  ressourcenschonend produziert, während dabei das Biotop Grünland weiter erhalten und gefördert wird. Geschlachtet wird bei uns grundsätzlich nur direkt am Hof, sodass unsere Tiere keine Transportwege und zusätzlichen Stress erfahren müssen.

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Praxisfeld #2:
Silvopastoraler  Agroforst

Während heutzutage Wald- und landwirtschaftliche Flächen meist klar getrennt sind, geht es beim Agroforst darum, diese wieder miteinander zu vereinen. Als Streuobstwiese mit Hochstammbäumen, Wertholz-Baumreihen auf Getreideäckern oder Kurzumtriebsplantagen zwischen Mähwiesen - ein Agroforst bietet viele Möglichkeiten.


Wir auf Gut Kremershof bewirtschaften neben einigen Streuobstwiesen seit 2023 ein sechs Hektar großes silvopastorales Aroforstprojekt. Begonnen haben wir dabei mit der Pappel als schnellwachsendes Pioniergehölz. Diese wird dann nach und nach durch Obst-und Wertgehölze ergänzt.


Als lebendiges System ist das Ganze dann mehr als die Summe seiner Einzelteile, denn die Kombination von Agrar- und Forstkulturen bringt viele ökologische und ökonomische Vorteile mit sich.

So spenden Bäume Schatten und Schutz für Menschen, Tiere und Pflanzen und erhöhen die Biodiversität. Indem sie Wasser verdunsten lassen und Wind brechen, schaffen sie ein Mikroklima, das die Folgen von Dürreperioden abmildert.
 

Unsere Bäume werden angepasst an das Höhenprofil gepflanzt. Durch dieses sogenannte "Keyline-Design" wird die Wasserverteilung in der Fläche verbessert und die Gefahr von Hochwasser bei Starkregenereignissen vermindert.
Dabei erhöhen Bäume auf landwirtschaftlichen Flächen zusätzlich die Flächenleistung: Mehr Photosynthese bedeutet mehr Kohlenstoffspeicherung und mehr Bodenaufbau, während gleichzeitig zusätzliche Einnahmequellen für die Landwirte entstehen.

Acker der Zukunft?!
So sieht Agroforstwirtschaft aus!

Zum beitrag der WDR Lokalzeit Land.Schafft:

Praxisfeld #3:
legehennen mit bruderhahnaufzucht in mobiler weidehaltung

Wenn Legehennen, dann auch das volle Programm:

Der erhalt von alten Rassehühnern anstatt Hybrid-Züchtungen, eine eigene Brut und auch Aufzucht der Brüderhähne, eine Weidehaltung in Kleingruppen im Agroforstsystem bei wöchentlich frischem Auslauf nach dem Prinzip des ganzheitlichen Weidemanagements: Das sind unsere Maßstäbe bei unserer wesensgerechten und wertschätzenden Gelfügelhaltung.

Als Ergebnis haben wir glückliche Hühner, belebten Boden und eine natürliche, bäuerliche  Zucht. Das I-Tüpfelchen obendrauf: Unsere Bresse Gauloise, Marans und Silverudds legen wunderschöne, naturbunte Eier, deren Geschmack und intensive Farbe für sich sprechen.
 

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Praxisfeld #4:
solidarische landwirtschaft und eine gemeinnützige gemüsegärtnerei als begegnungsort

Wir wollen unsere Mitglieder mit gesundem Gemüse versorgen und eine lebendige Gärtnerei gestalten, in der wir erfahren können, was Gemüseanbau bedeutet. Dazu haben wir 2021 eine ca. 1ha große Fläche auf Gut Kremershof in Ackerland umgebrochen mit dem Ziel, eine essbare Landschaft zu gestalten. Für den Aufbau starteten wir im März 2021 eine Crowdfunding Kampagne, mit deren Hilfe wir knapp 25.000€ Startkapital umgesetzt haben. Wie sich herausstellte nur ein Bruchteil vom benötigten Kapital, aber mit Hilfe der Gründung einer Genossenschaft haben bis Ende 2022 rund 300 Genoss:innen rund 100.000 Euro Stammkapital durch Genossenschaftsanteile eingelegt. Seit fast 3 Jahren wird gebaut, gepflanzt, gewerkelt und geplant.

Relmäßige Mitmachtage, Aktionen, Infoveranstaltungen und Hoffeste laden zum Mitmachen ein und machen unsere Gärtnerei zu einem wahren Begegnungsort.

Gleichzeitig läuft seit 2022 unser vielfältiges Bildungsprogramm für KITAS, Schulen und Privatpersonen. Denn wir wollen unsere Themen zu Bauernhofpädagogik, ökologischem Gemüseanbau und Umweltbildung an möglichst viele Menschen vermitteln.

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Praxisfeld #5:
energetische zukunftsfähigkeit durch erneuerbare energien

Im Aufbau: Seit Juli 2023 befinden wir uns in der Entwicklung eines Konzepts für eine dezentrale und nachhaltige Energieerzeugung auf dem Land.

Dabei arbeiten wir eng mit der Bürger Energie Rhein-Sieg eG und einer Forschungsgruppe der TH Köln zusammen. Wir möchten unsere Betriebe sowohl auf eine nachhaltige Energienutzung umstellen, als auch Möglichkeiten entwickeln, erneuerbare Energien bereitzustellen.

Der Entwurf beinhaltet Konzepte für den Bau eines Blockheizkraftwerks und Photovoltaikanlagen auf den Dachflächen des Hofes sowie zur Nutzung von Abwärme.


Im landwirtschaftlichen Kontext werden Konzepte zu Agri-Photovoltaik und Windkraft entwickelt.
Dabei geht es uns nicht darum, Landwirtschaft zu verdrängen, sondern um eine sinnvole Kombinationsnutzung von modernen Technologien der Energiegewinnung innerhalb der bäuerlichen Landwirtschaft und Agroforst, zum Beispiel durch die Integration von Photovoltaik als Zaunelement in primär landwirtschaftlich genutzten Flächen. Wir sind gespannt auf erste Ergebnisse, die zum Start 2024 vorliegen sollen.

 

Das große ziel: eine Blaupause für alle

Mutig neues ausprobieren und innovative Wege gehen – gemeinsam mit vielen kreativen Köpfen testen wir, was alles möglich ist, um nachhaltigen Wandel voranzutreiben. Die Kombination aus Genossenschaft, Gemeinnützigkeit, Solidarischer Landwirtschaft und Hof-Kollaboration ist so bisher einmalig, vor allem in unserer Region. Alle Erfahrungen und Ergebnisse werden wir zukünftig transparent zur Verfügung stellen. Bis dahin liegt noch viieeeeel Entwicklungsarbeit vor uns, die Du Mithilfe einer Spende unterstützen kannst!

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